Offener Brief des TV Werne zu Boykott-Aufrufen
Sehr geehrter Herr Drewniok,
der TV Werne Basketball e.V. hat sich bislang zur Diskussion bezüglich der Ausländerregelung in der Hoffnung nicht zu Wort gemeldet, dass durch Ihren Vermittlungsversuch vom 24.07.2010 die dringend notwendige Versachlichung eintreten würde. Leider ist dies im „Fall Götz Rohdewald“ nicht geschehen.
Da es sich bei Herrn Rohdewald lediglich um einen Angestellten des UBC-Münster handelt muss leider derzeit mangels Widerspruch der vertretungsberechtigten Organe des Vereins unterstellt werden, dass dessen Vorgehen auch seitens der Vereinsführung zumindest gebilligt ist.
Angesichts der Äußerungen des Herrn Rohdewald, nämlich:
- „das passiert nur durch Werne und nur in der Liga, in der Werne gerade spielt -niemand sonst deutschlandweit hat oder hatte ein Problem mit der alten Regelung-“
- „Es gab nie ein solches Vorgehen“ (Interview 26.07.2010 Echo Münster)
- „Fortsetzung der Spielchen, die der Club (gemeint ist der TV Werne) seit Jahren betreibt“ Zitat wie vor
- „Wer sich so krass gegen die Gemeinschaft stellt, den kann man in letzter Konsequenz auch boykottieren“ Zitat wie vor
- „Eine kollektive Absprache zum Nichtantreten in Werne ist die letzte aller möglichen Maßnahmen. Und ich halte sie nicht für abwegig.“ Zitat wie vor
- „Und was den Boykott angeht, so muss das die Ultimo Ratio sein, wenn sich ein Verein gegen den WBV, den DBB und alle Vereine stellt/' E-Mail vom 26.07.2010, 16.37 Uhr
1.) Der Vorwurf, der TV Werne „mische die Gemeinschaft auf, und zwar in der 2. Regionalliga schon“ entbehrt jeglicher tatsächlicher Grundlage. Herrn Rohdewald ist positiv bekannt, dass es nicht der TV Werne war, der in der 2. Regionalliga gegen die seinerzeitige WBV-Ausländerbeschränkung durch ein Normenkontrollverfahren vorgegangen ist. Dies waren vielmehr drei Vereine, nämlich die Basketballgemeinschaft Aachen-Grün-Weiß Vaalserquartier e.V., der SV Nike Aachen e.V. sowie die SG Aachen.
Wie passt dies wohl zu der bewusst wahrheitswidrigen Behauptung des Herrn Rohdewald „das passiert nur in Werne; es gab nie ein solches Vorgehen“.
2.) Wie allgemein bekannt ist, hat der DBB-Rechtsausschuss -also die höchste Rechtsinstanz des Verbandes- in dem Revisionsverfahren 03/09, an dem die oben aufgeführten drei Vereine beteiligt waren, die seinerzeitige Ausländerbegrenzung der WBV Spielordnung für nichtig erklärt. In Kenntnis dieser Tatsache hat der DBB Bundestag am 30.05.2010 dennoch gegen sein eigenes höchstes Rechtsorgan erneut eine -diesmal noch umfassendere- Ausländerreglung beschlossen. Da das Rechtsmittel des Normenkontrollverfahrens nicht an Fristen gebunden ist, war es nur eine Frage der Zeit, wann eine derartige bereits für nichtig erklärte Regelung erneut im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens fallen würde.
So hatte sich der BG Aachen bereits mit Email vom 02.06.2010 an den Präsidenten des DBB Herrn Ingo Weiss sowie das gesamte Präsidium gewandt. Wir zitieren:
„Ich sehe nun eine Situation wo der DBB Bundestag eine Entscheidung zum Einsatz von Ausländern in der Regionalliga getroffen hat, die ganz offensichtlich im Widerspruch zum Entscheid des DBB eigenen Rechtsausschusses steht.“
Die Email endet wie folgt:„Ich freue mich auf Ihre zeitnahe Antwort um dann beurteilen zu können, ob wir den Weg der einstweiligen Verfügung einschlagen müssen.“
„So oder so“ wäre also die Ausländerregelung zur gerichtlichen Überprüfung gestellt worden.Durch das vom TV Werne zeitnah initiierte Normenkontrollverfahren wurde lediglich vor Beginn der eigentlichen Spielzeit Klarheit hinsichtlich eines möglichen Ausländer-einsatzes geschaffen. Dies diente ausschließlich der Klarheit und Rechtssicherheit. Ansonsten hätte jeder Verein auch während der laufenden Spielzeit ein entsprechendes Verfahren einleiten können mit der Konsequenz, dass es hinsichtlich des Einsatzes von Ausländern sowie der Spielwertungen zu einem heillosen Durcheinander hätte kommen können.
Der TV Werne hat von einem durch die Satzung des DBB verbrieften Recht Gebrauch gemacht. Nicht der TV Werne hat die Ausländerregelung „gekippt“, sondern der DBB-Rechtsausschuss. Der von Herrn Rohdewald initiierte Boykottaufruf richtet sich somit gegen ein rechtmäßiges Verhalten sowohl des DBB-Rechtsausschusses als auch des TV Werne.
Gegen einen Verein, der sich rechtmäßig verhalten hat und verhält, stellt dies ein unsportliches, rufschädigendes und finanziell schädigendes Verhalten dar, das ein empfindlicherer Verein als der TV Werne sicherlich schon jetzt zum Anlass genommen hätte, dem Rufschädiger sein Verhalten durch einstweilige Verfügung untersagen zu lassen.
Darüber hinaus fordert Herr Rohdewald objektiv auch die übrigen Regionalliga-Vereine auf, sich unsportlich zu verhalten, nämlich Heimspiele des TV Werne durch Nicht-antritt zu boykottieren, und das ohne rechtfertigenden Grund, da sowohl das Verhalten des DBB-Rechtsausschusses als auch des TV Werne ohne Zweifel rechtmäßig sind.
Letztlich scheint Herr Rohdewald auch zu verkennen, dass sein Verhalten nicht nur vereinsschädigend, sondern darüber hinaus in höchstem Maße verbandsschädigend ist, ruft er doch zur Boykottierung eines geregelten Spielbetriebes auf, der nach der Spielordnung des WBV unter Beachtung des im Normenkontrollverfahrens ergangenen Urteils des DBB-Rechtsausschusses ausgeschrieben ist.
Um es auf den Punkt zu bringen: Herrn Rohdewald gefällt persönlich (oder auch für den UBC?) die Rechtsauffassung des obersten Rechtsorgans des DBB nicht; nach seiner Meinung gibt ihm dies nunmehr das Recht, den TV Werne zu diffamieren und zum Boykott aufzurufen, um auf diese Weise gegen die Entscheidung des DBB Rechtsausschusses zu opponieren.
Ein derartiges Verhalten muss nach Auffassung des TV Werne unweigerlich zu ver-bandsrechrlfchen Konsequenzen führen. Im Übrigen: Die im Interview mit der MZ vom 26.07.2010 aufgestellte Behauptung, „Ich bin mir sicher, dass Werne die Saison mit drei Amerikanern beginnen und mit noch mehr beenden wird“ ist frei erfunden. Bis heute hat der TV Werne nicht einen einzigen US-Amerikaner verpflichtet.
Dem TV Werne geht es auch nicht darum, beliebig viele Amerikaner zu verpflichten, sondern ausschließlich darum, dass im Machtbereich eines Monopolisten - als solchen bezeichnet der DBB-Rechtsausschuss den Deutschen Basketballbund - Basketballspieler nicht ausschließlich aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit diskriminiert werden.
Um eines klarzustellen: Der TV Werne wird sich selbstverständlich an einer Diskussion um eine sinnvolle und rechtmäßige Ausländerregelung beteiligen. Er sieht sich nach wie vor als Teil der Re-gionalliga-Gemeinschaft und lässt sich insoweit nicht von einem Herrn Rohdewald als Initiator ausgrenzen. Die Gesprächsbereitschaft setzt aber voraus, dass Herr Rohdewald zunächst den Boykottaufruf zurücknimmt und zwar in der Weise, wie er ihn derzeit öffentlich verbreitet, und die diffamierenden Äußerungen bezüglich des TV Werne zukünftig unterlässt.
Mit freundlichen sportlichen Grüßen, Jürgen Henke l. Vorsitzender
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Veröffentlicht
am 29.07.2010 um 17:14 Uhr.